Firmen schreiben Stellen aus, weil sie etwas vorhaben. Und anders als in einer Pressemeldung beschreiben sie in einer Stellenanzeige ziemlich genau, was: welche Aufgaben anstehen, mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird und welche Ziele die neue Person erreichen soll.
Für den Vertrieb ist das ein seltener Glücksfall. Eine Anzeige ist öffentlich, sie ist datiert, und sie sagt etwas über die Zukunft einer Firma, nicht über ihre Vergangenheit.
Was eine Stelle verrät
- Neue Funktion oder Nachbesetzung. Eine Rolle, die es vorher nicht gab, deutet auf Veränderung. Eine Nachbesetzung kann dasselbe bedeuten, muss aber nicht.
- Leitungsrollen. Wird eine Leitung gesucht, wird oft ein Bereich aufgebaut oder neu aufgestellt. Neue Verantwortliche bringen eigene Vorstellungen und meistens ein eigenes Budget mit.
- Mehrere Stellen im selben Bereich. Drei Stellen in der Entwicklung innerhalb weniger Wochen sind ein deutlicheres Signal als eine einzelne.
- Genannte Werkzeuge und Normen. Was unter „Das bringen Sie mit“ steht, verrät, womit die Firma arbeitet und welche Regeln für sie gelten. Ein Medizintechnik-Hersteller, der Erfahrung mit ISO 13485 verlangt, arbeitet nach dieser Norm.
- Der Einsatzort. Eine Stelle an einem Standort, den die Firma bisher nicht hatte, ist ein Hinweis auf Wachstum.
Die Anzeige richtig lesen
Der wertvollste Teil einer Anzeige ist selten die Überschrift. Lesen Sie vor allem die Aufgaben: Dort steht, woran die Firma in den nächsten Monaten arbeitet. Die Anforderungen zeigen, ob Ihr Angebot dazu passt. Was die Firma bietet, ist für den Vertrieb meist zweitrangig.
Beispiel: Leitung Regulatory Affairs (m/w/d)
- Firma: Hersteller von Implantaten, 180 Mitarbeitende
- Aus den Aufgaben: Aufbau einer eigenen Zulassungsabteilung, Vorbereitung der Zulassung für den US-Markt
- Was das heißt: Die Firma bringt Zulassungsthemen ins Haus, die bisher vielleicht extern lagen, und plant einen neuen Markt.
- Anlass für: Anbieter von Software für Dokumentation und Qualitätsmanagement, Beratungen für US-Zulassungen, Prüflabore
Typische Fehlschlüsse
- Personaldienstleister und Berater. Sie schreiben Stellen für ihre Kunden aus, oft mit genau den Begriffen, nach denen Sie suchen. Die Firma, die in der Anzeige steht, ist dann gar nicht die, die Bedarf hat. Wie Satellite solche Treffer aussortiert, steht auf der Produktseite.
- Dauerausschreibungen. Manche Stellen sind praktisch immer offen, etwa im Vertrieb großer Firmen. Sie sagen wenig über ein konkretes Vorhaben.
- Nachbesetzung ohne Veränderung. Wenn jemand in Rente geht und die Stelle eins zu eins nachbesetzt wird, ändert sich vielleicht nichts.
- Konzern und Standort. Schreibt eine Konzerngesellschaft aus, fällt die Entscheidung über Werkzeuge und Dienstleister manchmal an einem anderen Ort.
Wer der richtige Ansprechpartner ist
Nicht die Person aus der Personalabteilung, die in der Anzeige steht. Interessant ist, wer die neue Stelle führen wird, also die Leitung des Fachbereichs oder die Geschäftsführung. Solange die Stelle offen ist, erledigt diese Person die Arbeit oft selbst mit und spürt das Problem am deutlichsten.
Vom Signal zum ersten Satz
Eine Stellenanzeige lässt sich im Gespräch gut benennen, weil sie öffentlich ist und die Firma sie selbst geschrieben hat. Ein Einstieg kann so klingen:
„Ich habe gesehen, dass Sie eine Leitung für Zulassung suchen und die Abteilung neu aufbauen. In dieser Phase sprechen wir oft mit Herstellern über die Dokumentation. Wie gehen Sie das gerade an?“
Wie Sie solche Sätze für andere Anlässe bauen, zeigt der Beitrag Der erste Satz.
Stellenanzeigen im Blick behalten
Stellen erscheinen auf den Karriereseiten der Firmen, in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit und auf den großen Jobportalen. Für eine Handvoll Firmen lässt sich das von Hand verfolgen. Bei hundert Firmen wird es zur Vollzeitaufgabe, und die Prüfung, ob hinter der Anzeige überhaupt die richtige Firma steht, kommt noch dazu.
Satellite liest diese Quellen täglich mit, ordnet jede Stelle der richtigen Firma zu und prüft, ob Firma und Rolle zu Ihrer Zielgruppe passen. Personaldienstleister und Beratungen fliegen dabei raus, bevor sie in Ihrer Liste landen.